Eine Gedenktafel für jüdische Nordhäuserinnen und Nordhäuser
526 jüdische Nordhäuserinnen und Nordhäuser wurden während der nationalsozialistischen Diktatur entrechtet, deportiert oder ermordet. Mit einer Gedenktafel am Nordhäuser Rathaus hat der Lions Club Nordhausen ihnen einen sichtbaren Platz im Herzen unserer Stadt zurückgegeben. Am 9. November 2025 wurde aus einer langjährigen Idee ein bleibendes Zeichen gegen das Vergessen.
Ein Vermächtnis wird Wirklichkeit
Der Ursprung dieses Herzensprojekts reicht zurück bis ins Jahr 2008. Unser verstorbener Lionsfreund Dr. Manfred Schröter, Gründungsmitglied des Lions Clubs Nordhausen und erster demokratisch gewählter Oberbürgermeister der Stadt nach der Wiedervereinigung, setzte sich dafür ein, die Namen der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zusammenzutragen, die zwischen 1933 und 1945 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.
Bis 2013 waren die Namen von 526 Menschen recherchiert. In seinem Buch „Die Schicksale der Nordhäuser Juden“, veröffentlicht im Verlag Steffen Iffland, dokumentierte Dr. Schröter ihre Schicksale. Die Idee, den Menschen darüber hinaus mit einer gemeinsamen Gedenktafel einen sichtbaren Platz im Stadtbild zu geben, blieb zunächst unerfüllt.
Für uns als Lions Club Nordhausen war es deshalb eine Herzensangelegenheit, diesen Wunsch unseres verstorbenen Lionsfreundes aufzugreifen und Wirklichkeit werden zu lassen.
Gemeinsam ein Zeichen setzen
Unter der Präsidentschaft von Prof. Dr. Jörg Wagner fasste unser Club den Beschluss, die Gedenktafel zu realisieren, und begann mit dem Fundraising. In den folgenden Monaten trugen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und weitere Unterstützerinnen und Unterstützer dazu bei, das Vorhaben zu finanzieren.
Für jeweils 30 Euro Spende konnte ein weiterer Name sichtbar gemacht werden. So wurde die Gedenktafel zu einem gemeinsamen Werk der Nordhäuser Zivilgesellschaft.
Entstanden ist eine 1,60 mal 3,80 Meter große Tafel aus schwarzem Impala-Granit. In fünf Spalten sind die 526 Namen eingearbeitet. Mit Gesamtkosten von rund 16.000 Euro wurde sie am Verbindungsbau zwischen historischem Rathaus und Stadthaus angebracht – an einem zentralen Ort, an dem die Erinnerung mitten in unserer Stadt präsent bleibt.
Erinnerung braucht Namen
Am 9. November 2025, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, wurde die Gedenktafel im Rahmen der öffentlichen Gedenkveranstaltung enthüllt. Nach dem Gedenken an die ehemalige Synagoge führte der Weg zum Rathaus. Dort übergaben die Lions-Präsidenten des Jahres 2025/26, Ricarda Adam und Holger Richter die Tafel an die Stadt.
Unter den Gästen waren auch der Botschafter der Republik Polen, Jan Tombiński, und die französische Honorarkonsulin Bärbel Grönegres.
In seiner Ansprache erinnerte Holger Richter daran, dass die Nationalsozialisten ihren Opfern ihre Menschlichkeit nehmen wollten, indem sie ihnen ihre Namen raubten und sie zu Nummern machten. Die Gedenktafel setzt dem etwas entgegen: Sie macht die Namen wieder sichtbar und holt die Menschen aus der Anonymität einer Zahl zurück in das Gedächtnis unserer Stadt.
Denn hinter jedem Namen stand ein Mensch – mit einer eigenen Geschichte, einer Familie, Hoffnungen und einem Platz in der Nordhäuser Stadtgesellschaft. Diese Menschen wurden gewaltsam aus ihrer Heimat und aus dem Leben ihrer Mitmenschen gerissen. Ihre Namen sind nun wieder unübersehbar Teil des Stadtbildes.
Ein Auftrag für die Gegenwart
Die Gedenktafel erinnert nicht allein an das Unrecht der Vergangenheit. Sie mahnt uns auch, Antisemitismus, Ausgrenzung und die Entmenschlichung von Minderheiten entschieden entgegenzutreten. Gerade in einer Zeit, in der Hass und Menschenfeindlichkeit wieder an Sichtbarkeit gewinnen, bleibt die Erinnerung an das, was Menschen anderen Menschen angetan haben, eine Aufgabe für uns alle.
Die Gedenktafel kann die Lebensgeschichten der 526 Menschen nicht vollständig erzählen. Doch sie gibt ihren Namen einen festen Platz – im Herzen unserer Stadt und in unseren Herzen.
Wer mehr über die einzelnen Schicksale erfahren möchte, findet die recherchierten Informationen im digitalen Gedenkbuch der Stadt Nordhausen. Ein QR-Code an der Gedenktafel führt zu den weiterführenden Informationen.
Unser Dank
Ein solches Vorhaben gelingt nur gemeinsam. Unser herzlicher Dank gilt allen Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Unterstützenden, die mit ihren Spenden und ihrem Engagement die Realisierung ermöglicht haben. Besonders danken wir:
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dem Verlag Steffen Iffland, Nordhausen
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der Thüringer Landesregierung – Thüringer Staatskanzlei
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der Steinmetzwerkstatt Jan Fehling
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der Stadt Nordhausen
Unser besonderer Dank gilt unserem verstorbenen Lionsfreund Dr. Manfred Schröter, dessen Forschungsarbeit und beharrliches Engagement den Grundstein für dieses Projekt gelegt haben. Mit der Gedenktafel konnten wir sein Anliegen weitertragen und seinen Wunsch Wirklichkeit werden lassen.
526 Namen. 526 Menschen. Eine Erinnerung, die bleibt.


