2025 Gedenken an die Pogromnacht: 526 Nordhäuser Namen dem Vergessen entrissen

Nordhausen | 01. Mai 2021 | Manuel Törpe
Gedenken an die Pogromnacht: 526 Nordhäuser Namen dem Vergessen entrissen
Mulan
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Gedenken, Mahnen und Sichtbarmachen: Anlässlich des Jahrestags der Pogromnacht vom 9. November 1938 erinnerte die Stadt Nordhausen an das Schicksal ihrer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wurde am Nordhäuser Rathaus eine neue, zentrale Gedenktafel enthüllt – ein bedeutendes Projekt, das der Lions Club Nordhausen mit der Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender realisieren konnte.

Die Ereignisse der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 markierten den Beginn des systematischen Schreckens des Holocaust: Die Nordhäuser Synagoge brannte nieder, Geschäfte und Gebetsräume wurden verwüstet, Mitbürger drangen in die Wohnungen ihrer Nachbarn ein. Über 80 Männer aus Nordhausen und Umgebung wurden noch in derselben Nacht zusammengetrieben und anschließend nach Buchenwald deportiert.

Gegen das Vergessen: Namen statt Nummern

Insgesamt 526 Nordhäuser Jüdinnen und Juden wurden während der NS-Diktatur um ihr Leben gebracht. Dass diese Zahl bekannt ist und die Opfer nicht anonym bleiben, ist das Lebenswerk des verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeisters Dr. Manfred Schröter, der die Namen und Lebensgeschichten in jahrelanger, akribischer Recherche zusammentrug.

Mit der neuen Gedenktafel am Rathaus ging ein langjähriger Wunsch Schröters posthum in Erfüllung. Lionsfreund Holger Richter unterstrich bei der Enthüllung die tiefere Bedeutung des Denkmals:

„Es war die Strategie der Nationalsozialisten, ihren Opfern die Menschlichkeit zu nehmen, indem man ihnen ihren Namen wegnahm und sie zu Nummern machte. Die Tafel soll das Gegenteil bewirken und die Opfer aus der Unbestimmtheit der Zahlen zurück in das Gedächtnis unserer Stadt holen.“

Ein Memento für die Gegenwart & Digitales Gedenkbuch

Auch internationale Gäste erwiesen den Opfern die Ehre: Der höchste diplomatische Vertreter Polens, Jan Tombiński, sowie die französische Honorarkonsulin Bärbel Grönegres machten in ihren Beiträgen deutlich, wie wichtig eine wache Erinnerungskultur gerade in der heutigen Zeit ist, um Hass, Antisemitismus und der Entmenschlichung von Minderheiten entschieden entgegenzutreten.

Erinnerung im digitalen Zeitalter:

Da auf der Gedenktafel selbst nur begrenzter Platz ist, verbindet das Projekt traditionelles Gedenken mit moderner Technik. Ein integrierter QR-Code auf der Tafel führt direkt auf die Website des Lions Club Nordhausen zum „digitalen Gedenkbuch“ [https://gedenkbuch.nordhausen.org/]. Dort sind die Informationen und Biografien zu allen 526 Nordhäuser Opfern abrufbar, um ihr Andenken für nachfolgende Generationen lebendig zu halten.

Der Lions Club Nordhausen bedankt sich herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern sowie bei den beteiligten Partnern aus Stadt und Gesellschaft, die die Verwirklichung dieses wichtigen Mahnmals möglich gemacht haben – ganz im Sinne unseres Leitmottos „We Serve“.